Die Erforschung der Anderen – Koloniale Entdeckungsreisen und ihre fatalen Konsequenzen

Artikel von Zara Pfeiffer – erschienen im Hinterland Magazin Nr.23

Als die Münchener Forscher Martius und Spix von ihrer Reise nach Brasilien zurückkehrten, hatten sie Tiere, Pflanzen und Menschen im Gepäck. Wenn heute über die beiden Wissenschaftler berichtet wird, werden sie meist mit dem „Geist der damaligen Zeit“ entschuldigt. Die Fragen nach der Herkunft von Wissen und der Verstrickung von Wissenskomplexen und Machtverhältnissen sind nach wie vor virulent. Continue reading
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Juri und Miranha – begierigen Blicken ausgesetzt, vermessen und vergessen

Artikel von Eva Bahl – erschienen im Infoblatt 81 – Zeitschrift für internationalistische und emanzipatorische Perspektiven und so

„Typisch München“

(eb) Ein Besuch in der Dauerausstellung des Münchner Stadtmuseums „Typisch München“: Neben dem „angeblichen Schlüsselbein Heinrichs des Löwen“ und „Waldi“, dem Olympiamaskottchen von 1972 hängt da in der Abteilung, in der das München des 19. Jahrhunderts repräsentiert wird, ein Bronzerelief. Es hängt dort, weil es ein frühes Werk des bedeutenden Erzgießers Johann Baptist Stiglmaier war. Auf der begleitenden Ausstellungstafel wird aber noch eine weitere Geschichte erzählt, die sicherlich eher selten als „typisch München“ betrachtet wird – die Geschichte der „Indianerkinder Juri und Miranha“, deren Grab das Relief einmal geschmückt hat.Peters-Projekt

Foto: Zara Pfeiffer
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Massenmörder werden in München weiterhin mit Straßennamen geehrt

Gemeinsame Pressemitteilung

Zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen fordern eine verantwortungsvolle Entkolonialisierung der Münchner Straßennamen

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Am 26. März 2012 hatte die Vollversammlung des Münchner Ausländerbeirates einstimmig eine Aufforderung an den Münchner Stadtrat beschlossen, die deutsche Kolonialgeschichte, die auch in München ihre Spuren hinterlassen hat, aufzuarbeiten und die kolonialen Straßennamen in den Stadtbezirken 13 und 15 umzubenennen. Weit über ein Jahr hat sich der Münchner Stadtrat Zeit gelassen, diesen einstimmigen Beschluss des Ausländerbeirates zu behandeln. Das Ergebnis: Geht es nach dem Willen der Mehrheit des Kommunalausschusses (nur die Partei „Die Linke“ stimmte für den Antrag des Ausländerbeirates) soll es in München auch zukünftig Straßennamen geben, die erklärte Kolonialverbrecher und koloniale Massenmörder ehren: u.a. die Dominikstraße (benannt nach Hans Dominik, der als Kolonialmajor verantwortlich war für brutale Unterdrückungs­maß­nahmen und Hinrichtungen in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun) und die Von-Gravenreuth-Straße (benannt nach Karl von Gravenreuth, der an der brutalen Niederschlagung von Befreiungskämpfen in den damaligen deutschen Kolonien Ost-Afrika und Kamerun beteiligt war).

Wir kritisieren diese kurzsichtige Entscheidung, die aus unserer Sicht ein fatales politisches Signal darstellt. Straßennamen sind die höchste Ehrung, die eine Stadt zu vergeben hat. Koloniale Verbrecher dürfen in einer Stadt, die sich als weltoffen versteht, nicht weiter geehrt werden!

Dass die Frage der Benennung von Straßen nach Kolonialverbrechern und Orten kolonialer Verbrechen nicht nur eine lokale, München spezifische ist, wurde 2010 in einer bundesweiten Resolution an die Städte und Gemeinden deutlich, die vom Deutschen Städtetag als Empfehlung an die Mitglieder weitergeleitet wurde. Zahlreiche Initiativen, Vereine und Einzelpersonen forderten u.a. die kritische Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte, die Umbenennung von Straßennamen, die Kolonialakteure ehren und die Sichtbarmachung der Gründe für die Straßenumbenennungen und des historischen Kontextes im Stadtraum. Diese Forderungen machen deutlich, dass es bei der Umbenennung kolonialer Straßennamen keinesfalls darum geht, Geschichte unsichtbar zu machen, wie es oft von den Gegner_innen der Umbenennung unterstellt wird. Vielmehr geht es darum, die Geschichte aufzuarbeiten und eine ebenso überfällige wie notwendige gesellschaftliche Debatte über die deutsche Kolonialgeschichte und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart zu führen. Wir erwarten von der Stadt München und dem Münchner Stadtrat, diesen notwendigen Schritt zu tun und sich dieser Auseinandersetzung zu stellen.

Wir laden Sie deshalb ein zu unserer Pressekonferenz:

Donnerstag, den 25. Juli 2013 / 11 Uhr
Bayerischer Flüchtlingsrat
Augsburgerstraße 13
80337 München

 

Teilnehmer_innen der Pressekonferenz:

Hamado Dipama (Arbeitskreis Panafrikanismus e.V.), Tahir Della (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.), Paul Mayonga (Afrikanischer Ältestenrat München e.V.), Johanna Donner (Nord Süd Forum München e.V.), Eva Bahl ([muc] münchen postkolonial)

 

Unterzeichner_innen der Presserklärung:

Arbeitskreis Panafrikanismus e.V.

Afrikanischer Ältesten Rat München e.V.

AfricAvenir International e.V.

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD Bund e.V.

Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland e.V.

[muc] münchen postkolonial

mapping.postkolonial.net

Bayerischer Flüchtlingsrat

Nord Süd Forum München e.V.

IG – Initiativ Gruppe e.V.

ADEFRA e.V.

Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.

Siegfried Benker, Grüne, ehemaliger Stadtrat

freedom roads! koloniale straßennamen • postkoloniale erinnerungskultur

afrika-hamburg.de

freiburg postkolonial / Heiko Wegmann

Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.

Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL

Berlin Postkolonial e.V.

 

Weiterführende Informationen

Umfangreiche Dokumentation des Beschlusses vom Ausländerbeirat zur Entkolonialisierung der Münchner Straßennamen mit einer Chronik der Geschichte der Kolonialstraßen in München
http://muc.postkolonial.net/koloniale-strassennamen-in-muenchen/
Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag vom 20.03.2012 (Drucksache 17/9033), in dem u.a. die „Unterstützung von Aktivitäten, die Straßennamen und Denkmäler von Kolonialverbrechen durch die Würdigung afrikanischer Persönlichkeiten ersetzen“ gefordert wird
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/090/1709033.pdf
Bundeweite Resolution postkolonialer und erinnerungspolitischer Initiativen zur kritischen Aufarbeitung des kolonialen Erbes an den Deutschen Städtetag vom Oktober 2010
http://www.freedom-roads.de/pdf/Resolution03102010.pdf
http://www.freedom-roads.de/frrd/resoluti.htm
„Nach Massenmördern benannte Straßen sind eine Zumutung“ Abendzeitung vom 17.07.2013
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.ba-chefin-nach-massenmoerdern-benannte-strassen-sind-eine-zumutung.c5606854-320d-4f96-8ab9-f01d51eed557.html
Verdienen Kolonialherrscher einen Straßennamen? Abendzeitung vom 19.07.2013
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.kontroverse-in-muenchen-verdienen-kolonialherrscher-einen-strassennamen.65ac0197-2e66-4064-bc0d-3676ff231fd7.html
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Koloniale Strassennamen in München

 

Koloniale Strassennamen in München. Dokumentation des Beschlusses vom Auslaenderbeirat der Landeshauptstadt München zur Entkolonisierung der Muenchner Strassennamen

Eine Dokumentation des Beschlusses vom Ausländerbeirat der Landeshauptstadt München, April 2013 >> Download

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Postkolonialer Stadtrundgang

Anlässlich des Buko werden wir am Freitag, den 10. Mai 2013 einen einen postkolonialen Stadtrundgang durch München anbieten. Treffpunkt: Freitag, 10.5. um 15.00 Uhr am Eingang des Eine-Welt-Hauses
Decolonize Munich!
koloniale spuren und postkoloniale verhältnisse // rundgang
[colonial traces and postcolonial realities // city-tour]

Die Statue eines Kolonialbildhauers, die verblassenden Markierungen einer kolonialen Gedenktafel auf einer Friedhofsmauer, eine umbenannte Strasse, ein nicht mehr existierendes Grab: Continue reading

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BUKO-Kongress in München – mit postkolonialem Schwerpunkt

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Dieses Jahr von 9.-12. Mai findet der alljährliche BUKO-Kongress in München statt. U.a. wird es ein Panel zu Postkolonialismus und Antirassismus geben. Continue reading

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Decolonize Munich! Koloniale Spuren und postkoloniale Verhältnisse in München

16. Februar 2013, 19 Uhr

„Decolonize Munich! Koloniale Spuren und postkoloniale Verhältnisse in München“

Vortrag von Katharina Ruhland und Zara Pfeiffer von der Gruppe [muc] münchen postkolonial

Eintritt: 5 Euro.

Ort: Kafe Marat (Thalkirchnerstr. 102)

Veranstaltung im Rahmen der antifaschistischen Konzert- und Vortragsreihe Theorie & Party.

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Podiumsdiskussion: Koloniale Straßennamen – wie lange noch?

Der Streit um die kolonialen Straßennamen in München geht in eine neue Runde…Der Ausländerbeirat, das NordSüdForum u.a. laden am 25.9. zu einer Podiumsdiskussion ins Rathaus ein:

In den Münchner Stadtvierteln Bogenhausen und Trudering-Riem gibt es mehrere Straßen, die nach Schauplätzen und Offizieren der deutschen Kolonialzeit  benannt wurden. Die Forderung nach ihrer Umbenennung stößt auf unterschiedlichste Reaktionen und ist Auslöser einer heftigen politischen Debatte, die nach einigen Jahren zur Umbenennung einer Straße und dem Anbringen von Erläuterungstafeln an Straßenschildern geführt hat. Nun fordert der Ausländerbeirat die Umbenennung weiterer Straßen und entfacht die Diskussion damit erneut. Die Podiumsveranstaltung soll den offenen Dialog zwischen Gegnern und Befürwortern der Namensänderung fördern und in die Öffentlichkeit tragen. Continue reading

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Straßen des kolonialen Terrors

Am 26. März 2012 beschloss der Ausländerbeirat München einstimmig einen Antrag auf Umbenennung von einem Dutzend Straßen in den Stadtbezirken Bogenhausen und Trudering-Riem. Vor allem in diesen Stadtteilen finden sich etliche von mehr als dreißig Straßen in München, deren Namen
an koloniale Akteure, kolonialen „Besitz“ oder koloniale Massaker erinnern. Einzig die Von-Trotha-Straße wurde 2006 gegen den Widerstand der Anwohnerinnen und Anwohner in Hererostraße umbenannt. Ihr ehemaliger Namensgeber Lothar von Trotha hatte den Vernichtungskrieg der deutschen „Schutztruppe“ gegen die Herero und Nama im heutigen Namibia (1904-1908) angeführt. Weitere Straßen erhielten lediglich Erklärungstafeln. Als „nicht ausreichend“ bezeichnet der Ausländerbeirat in seinem Beschluss diese Erläuterungen und spricht sich deutlich gegen die Ehrung von Personen aus, die „mit brutaler rassistischer Ideologie verbunden“ [sind]. Innerhalb der nächsten
drei Monate muss der Münchner Stadtrat nun diesen Antrag behandeln. „Wir gehen davon aus, dass der jetzige Stadtrat unseres weltoffenen Münchens sich von den Taten und Symbolen ihrer Vorgänger der 30er und 40er Jahre distanziert und bereit ist, einige damalige Irrtümer zu korrigieren“, so Hamado  Dipama vom Arbeitskreis Panafrikanismus München. Er fügt hinzu, dass man die Namen kolonialer Gräueltäter in den Geschichts- und Schulbüchern deutlicher darstellen sollte, um die Vergangenheit nicht zu vergessen, anstatt sie mit Straßennamen zu würdigen. Die Straßen sollten besser
umbenannt werden nach Opfern rassistischer Gewalt in Deutschland.

Der ganze Artikel als pdf.

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Umbenennung von Straßen in München

Pressemitteilung des AK Panafrikanismus vom 27. März 2012:
Umbenennung von Straßen in München bzw. Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte.

Der Arbeitskreis Panafrikanismus München begrüßt ausdrücklich den Beschluss des Ausländerbeirats München zur Straßenumbenennung und fordert die Verantwortlichen der Stadt München auf, diesen Beschluss ernsthaft zu behandeln und umzusetzen. Mit Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern der afrikanischen Gemeinde in München hat der Ausländerbeirat der LH gestern, am 26. März 2012, im Münchner Rathaus während seiner Vollversammlung u.a. einen Antrag zur Straßenumbenennung im sog. Münchner Kolonialviertel einstimmig beschlossen. Continue reading

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